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    • 17 APR 16

    DIE AKTUELLE PILLENDISKUSSION

    Aktuelle Pillendiskussion

    Ella O. aus Ratingen fragt: „Ich bin verunsichert über die derzeitige Pillendiskussion. Kann die Pille tödlich sein?“

    Ja – im Extremfall; die Medien haben darüber berichtet. Ebenso kann auch Autofahren tödlich sein. Aber, die allermeisten Autofahrer oder Pillen-Anwenderinnen erleben nie einen Schaden. Sie haben sogar viele Vorteile davon. Worum geht es in der aktuellen Diskussion um die sogenannten kombinierten hormonalen Kontrazeptiva? Diese Antibabypillen enthalten neben Östrogen unterschiedliche Gestagene, von denen einige, nämlich die der dritten und vierten Generation, evtl. ein doppelt so hohes Risiko für Thrombosen und Lungenembolien bergen als andere. Dieses Risiko ist zwar immer noch gering, aber man muss darüber sprechen.

    Manche Menschen haben von vornherein ein erhöhtes Thromboserisiko: In diese Gruppe gehören zuallererst die mit einen genetischen Gerinnungsdefekt wie z.B. die sogenannte Faktor-V-Mutation; immerhin 5-10% der Bevölkerung. Dann diejenigen, die -stark- rauchen, erst recht oberhalb von 35 Jahren, und die stark Übergewichtigen. Gipsbein, Langstreckenflug und einige andere Risikofaktoren kommen hinzu. Alle diese Personen dürfen ihr per se schon hohes Thromboserisiko durch die Einnahme der Pille nicht weiter erhöhen. Ihnen müssen die Ärzte raten, statt der Pille eine andere Verhütungsmethode anzuwenden. Deshalb gehört es bei der Erstverordnung einer Pille zu den Pflichten der Frauenärzte, sorgfältig abzuklären, ob jemand ein erhöhtes Thromboserisiko hat. Ausserdem müssen Ärzte erklären, was tiefe Beinvenenthrombose, Lungenembolie, Schlaganfall sind und wie man diese Komplikationen erkennt.

    Für jemanden, der ahnungslos nach der Pille fragt, kann solch ein Gespräch erschreckend sein. Soll man sie dann überhaupt nehmen? Wo sind die Vorteile? Die Pille ist das einfachste und sicherste Verhütungsmittel. Ohne Pille gäbe es sehr viel mehr ungewollte Schwangerschaften. Dass dieses Medikament über die Verhütung hinaus noch viele andere Vorteile bietet, geht derzeit oft unter. Regelschmerzen, Stärke der Regelblutung, prämenstruelle Beschwerden werden deutlich gemindert. Unterleibsentzündungen und Eileiterschwangerschaften sind unter der Pille selten. Die Endometriose, eine anfänglich kaum auffallende Krankheit, ist bei Pilleneinnehmerinnen seltener. Und dann ist da noch die Akne, für junge Mädchen ein wichtiges Argument pro Pille. Akne lässt sich aber nur durch solche Gestagene verringern, die die Talgproduktion reduzieren. Sie alle gehören der dritten Generation an und sind deshalb bei ihren Gegnern verpönt. Einer von ihnen spricht sogar beharrlich von „Wellness-Medizin“, wenn Akne-wirksame Präparate verordnet werden. Er sollte sich einmal anhören, was manche junge Frau dazu sagen würde.

    Das Fazit für junge Frauen: Wägen Sie Für und Wider mit gesunden Menschenverstand ab. Noch für lange Zeit bleibt die Pille das beste Verhütungsmittel. Man kann es jederzeit absetzen.

    Dres. M. und K. Schulze-Hagen, April 2016