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    • 13 APR 16

    Pilzinfektionen

    Tabea D. aus Schiefbahn fragt: „Was genau sind eigentlich Vaginalpilze und warum sind sie so häufig?“

    In der Vagina lebt eine vielfältige Flora aus Bakterien und Pilzen, ähnlich wie in den Atem- oder Harnwegen. Ein häufiger und eigentlich harmloser Mitbewohner ist der Hefepilz Candida albicans, der die menschliche Haut und insbesondere die Schleimhäute besiedelt. Er bildet unterschiedliche Wachstumsformen aus. Normalerweise sind diese Hefepilze friedfertige, ja möglicherweise sogar nützliche Einzelzeller, deren Zahl von unserem Immunsystem in Schach gehalten wird. Funktioniert das aber nicht, dann vermehren sie sich rasant und bilden auf einmal lange Fäden, die pathogenen Hyphen-Myzelien. Diese werden rasch zum Problem: Die Haut ist gereizt und gerötet, sie juckt und brennt, gelblich-bröckeliger Ausfluss entsteht. Die Pilzfäden bilden auf und zwischen den Zellen der Schleimhaut einen festhaftenden Biofilm, der nicht immer auf Medikamente anspricht und oft eine Ursache für sich wiederholende Pilzinfekte darstellt.

    Eine vaginale Candidiasis tritt eher bei jungen als bei älteren Frauen auf und schränkt deren Lebensqualität erheblich ein. Das Wachstum von Pilzen wird durch Schwangerschaft, Diabetes, durch die Pille und Antibiotika begünstigt. Mehr als 75% aller erwachsenen Frauen haben gelegentlich mit einer Pilzinfektion zu tun, 8% leiden unter wiederholten Infektionen mit mindestens 4 Pilzepisoden pro Jahr. Meist wirken lokal verabreichte Präparate, die sogenannnten Antimykotica, in Form von Vaginalzäpfchen und Salbe schnell und zuverlässigt. Diese Präparate haben sogar eine Depotwirkung. Eine Partnerbehandlung ist nicht automatisch notwendig. Bei hartnäckigen Verläufen sind oral zu verabreichende Wirkstoffe erforderlich, manchmal auch über längere Zeiträume. Eine vorbeugende Behandlung mit Joghurt oder Probiotika ist nicht nur ineffektiv, sondern kann sogar den Pilzinfekt fördern.

    Wahrscheinlich haben manche Menschen eine genetische Disposition für Pilzinfekte. Wenn diese auf eine vorgeschädigte, überreizte Haut trifft, dann ist der nächste Infekt garantiert. Hautreizend wirken diverse Allergien, Schwitzen, der Dauergebrauch von Slipeinlagen, Deodorantien und allzu intensive Hautpflege. Umgekehrt stellt die physiologische, also ungestörte eigene Vaginalflora aus Milchsäurebakterien einen wirksamen Schutz dar.

    Im Brennpunkt der Pilzforschung stehen die Virulenzfaktoren der Pilzhyphen und die Mechanismen der Immunabwehr. Zusätzlich zu den Antimykotica werden Präparate entwickelt, die das lokale Immunsystem beeinflussen sollen. Dazu gehören Antkörper und Immunmodulatoren. Am erfolgversprechendsten erscheint hier eine neuartige Anti-Candida-Impfung, die demnächst in die Erprobung kommt. Diese soll sich gezielt gegen die pathogenen Hyphen bei rezidivierenden Pilzinfektionen richten und müsste ebenso wie eine Tetanus-oder Grippeimpfung intramuskulär verabreicht werden. Das ist ein Hoffnungsschimmer für viele Menschen.